Werner Fleischer:

All You need is BRAVO oder: Als BRAVO die Beatles nach Deutschland holte

 

Alles wird zu einem Mythos gemacht

und geht in die Bücher ein.

So wird der Mythos zur Wahrheit, nur –

es ist gar nicht die Wahrheit

Paul McCartney

Hamburg, 1. Januar 1963. Eine Gruppe Liverpooler Musiker verlässt nach über 800 Stunden[1], die sie in den vergangenen 2 ½ Jahren insgesamt auf verschiedenen Bühnen der Hansestadt verbracht hat, mit dem Flugzeug Deutschland. Sie sollen erst 3 ½ Jahre später als Weltstars hierhin zurückkehren. Noch hat niemand außerhalb Hamburgs von ihnen in der Bundesrepublik Deutschland Notiz genommen. Zwar hat die Gruppe, die sich aus dem Bassisten Paul McCartney, den beiden Gitarristen John Lennon und George Harrison und den Schlagzeuger Ringo Starr zusammensetzt, in Großbritannien ihre erste Single „Love me do“/„PS I love you“ herausgebracht und dort mit der Höchstplatzierung 17 einen kleinen Hit gelandet, jedoch nimmt zu dieser Zeit die deutschsprachige Presse von den vier jungen Merseybeatmusikern, die in der Folge zu den bekanntesten Gastarbeitern der Bundesrepublik Deutschland zählen sollten, keinerlei Notiz. Auch die so genannte Jugendpresse mit ihrem Flagschiff BRAVO macht darin keine Ausnahme.

 

BRAVO hatte in der Regel ein gutes Gespür für neue Trends und unterbreitete diese immer wieder aufs Neue ihren Lesern. Die 1963 in Großbritannien einsetzende „Beatlemania“ blieb jedoch zunächst in der BRAVO unerwähnt. Mit „Please, please me“, „From me to you“, „She loves you“ und “I want to hold your Hand” lagen die Beatles 1963 insgesamt 16 Wochen auf Platz 1 der englischen Charts. Während es in Liverpool, London und anderen Städten Großbritanniens, in denen die Beatles spielen, zu Menschenaufläufen und Massenhysterien kommt, ist hingegen in den Hitparaden und Beiträgen der BRAVO von diesen Ereignissen wenig zu spüren. Hier steht BRAVO jedoch nicht alleine. Die erste LP der Beatles „Please, please me“ wird in der Bundesrepublik erst 1964 veröffentlicht werden.

     Noch haben englischsprachige Künstler wenig Erfolg in der Bundesrepublik. Stattdessen wird die „BRAVO-Musicbox“ dominiert von deutschen Künstlern. 16 Wochen alleine steht Freddy Quinn mit „Junge komm bald wieder“ auf dem ersten Platz. „Schuld war nur der Bossa Nova“ macht Manuela den BRAVO-Lesern erfolgreich weis, Martin Lauer teilt ihnen seine Träume in „Wenn ich ein Cowboy wär“ mit und das Medium-Terzett hängt sich mit „Der Schatz im Silbersee“ an die Karl-May-Welle an. Es gelingt nur wenigen ausländischen Künstlern, sich in der deutschsprachig bestimmten „BRAVO-Musicbox“ zu platzieren. Am erfolgreichsten ist hierbei noch Elvis Presley, der sich im November 1963 mit „Devil in Disguise“ immerhin bis auf Platz 2 hocharbeiten kann. (Abb.: BRAVO 23/1964, Cover und S. 2 u. 3; Unterzeile: „Sie sind da“: Nach 4 Nummer-1-Hits in GB werden die Beatles auch in Deutschland entdeckt.)

     Nur hin und wieder kommt es vor, dass BRAVO in kurzen Meldungen über die vier aus Liverpool berichtet und die Leserschaft neugierig auf mehr werden lässt. In der Ausgabe 49 vom 3.12.1963 erscheint das erste Porträt über die Gruppe: „... ein Quartett, das auf drei elektrischen Gitarren und einem Schlagzeug stampfende Twistrhythmen produziert und dazu Texte singt, die praktisch immer wieder aus denselben hundert simplen Worten bestehen. Sie sind mit ihren Thomas-Fritsch-Frisuren, überhohen Hemdkragen und glänzenden Seidensakkos etwas mehr als zufällige Nutznießer einer verrückten Mode.“ Viel Distanz und Skepsis spricht aus diesen Sätzen und es hat den Anschein, als ob BRAVO noch gar nicht so recht glauben mag, was sich hier mit den Beatles für die Zukunft andeutet „… zufällige Nutznießer einer verrückten Mode.“. Aber ein neuer Trend, der Beat aus Liverpool – die zweite Revolution des Rock’n’Roll – ist am Entstehen und BRAVO will dabei sein. Bis zum 4.2.1964 sollte es jedoch noch dauern, bis die Beatles mit „Twist and shout“ und „I want to hold your Hand“ zum ersten Mal in der BRAVO-Musicbox notiert werden. „I want to hold your Hand“ ist der erste Nummer-1-Erfolg für die Beatles in der BRAVO-Musicbox. Bis zum Ende des Jahres sollten sie es auf insgesamt 11 Charterfolge und zwei Nummer-1-Hits in der BRAVO bringen. Mit der Ausgabe 22/1964 haben die Beatles es geschafft: Sie erscheinen auf dem Cover der BRAVO. Frei nach dem Motto „Ein Bild sagt mehr als 1000 Worte“ sind sie ohne jede größere Storyankündigung dort zu sehen Während die Beatles 1964 3-mal[2]  das Cover der BRAVO zieren, werden je einmal John Lennon[3] und George Harrison[4] auf der Titelseite abgebildet. Das nächste Heft 23 verkündet uns auf dem Cover bereits die „frohe Botschaft“: „Sie sind da: Die Beatles.“ Eine Woche später liegt gar ein Ausschneidebogen für eine Beatles-Perücke, ähnlich den BRAVO-Starschnitten, für den Fan im Heft bei. Insgesamt besteht die Perücke aus 8 Teilen, die bis zur Nr. 27 veröffentlicht werden. Während im vergangenen Jahr die Beatles in gerade einer Story abgehandelt wurden, werden die Beatles nun in den Heften 23 bis 33 ausführlich dem deutschen Publikum vorgestellt. (Abb.: BRAVO 26/1964, S. 22; Unterzeile: Aussehen wie die Beatles leicht gemacht – die „Beatles-Perücke“ (aus: BRAVO 26/1964)

 

Noch können die Beatles sich bei der Wahl zum Goldenen-Otto-Sieger-1964[5] nicht durchsetzen und landen mit einem Achtungserfolg immerhin auf dem sechsten Platz der Kategorie Sänger. Aber sie sind die erste Gruppe, der es gelingt, in die Kategorie der beliebtesten Sänger einzudringen. Die Popwelt wandelt sich innerhalb weniger Jahre sehr schnell und BRAVO vollzieht diesen Wandel zunächst nur sehr zögerlich, dann jedoch um so offensiver.

     Während die Beatles ein Jahr später bei der Wahl zum Goldenen-Otto-Sieger 1965 immerhin schon auf dem zweiten Platz hinter Cliff Richard landen, gibt es sie in diesem Jahr insgesamt als Gruppe[6] sechsmal auf dem Cover zu sehen, auch die im vergangenen Jahr noch nicht auf dem Titelblatt abgedruckten Beatles Ringo Starr[7] und Paul McCartney[8] folgen.

     Aber es gibt noch etwas, was alle diese Cover, Poster und Berichte in den Hintergrund rücken lässt: den BRAVO-Starschnitt. In Ausgabe 45 vom 1.11.1965 bis zur Ausgabe 32 vom 1.8.1966 findet der Leser Woche für Woche Teile des bis heute größten Starschnitts, den BRAVO jemals veröffentlicht hat. Neun Monate muss der Fan sammeln, um dieses Teil in seinem Zimmer aufhängen zu können. Starschnitte waren aufgrund einer großen Leserblattbindung nur den absoluten Topstars vorbehalten und wurden von der BRAVO-Redaktion mit viel Bedacht ausgewählt. Insgesamt betrachtet war es der 16. Starschnitt, den BRAVO veröffentlichte, und der erste, auf dem eine Gruppe vertreten war. (Abb.: Bravo-Beatlesstarschnitt, mehrere Teile über Gesamttext verstreuen; BRAVO 49/1965 Cover; Unterzeile: BRAVO 49/1965)

 

Was kann den Beatles-Fan noch mehr erfreuen als Poster, Starschnitte, Platten, Berichte über seine Helden? Viel mehr kann es eigentlich nicht mehr geben, es sei denn eine Autogrammkarte[9] oder gar eine Tournee durch die Bundesrepublik!

 

Die BRAVO-Beatles-Blitztournee

(Abb. für die nächsten drei Seiten: Cover BRAVO 12/66, 18/66, 27/66, 29/66; Unterzeile: jeweils die Heft-Nr.)

Gerüchte um eine Beatles-Tournee durch die Bundesrepublik hatte es bereits 1964 gegeben. So berichtete der Musikmarkt in seiner Ausgabe vom März 1964: „Sollte im Mai dieses Jahres ein Gastspiel der Beatles in der Bundesrepublik Deutschland tatsächlich zustande kommen, einschließlich eines entsprechenden Fernsehauftrittes, werden auch die deutschen Hitparaden noch ein paar mehr Beatles-Songs in den oberen Positionen verzeichnen.“ Aus der heutigen Sicht wissen wir, dass die Beatles im Mai 1964 nicht nach Deutschland gekommen sind und sich auch 1965 nicht auf den Weg nach Deutschland machten. Stattdessen tourten sie eifrig durch Großbritannien, die USA, Hongkong, Australien und einige europäische Staaten[10]. Brian Epstein war bemüht, zu Beginn seiner Tätigkeit 1962 und 1963 als Manager viele Angebote für seine Gruppe in Großbritannien zu erhalten. 1964 und 1965 standen die großen Amerikatourneen der Beatles auf dem Programm, die der Eroberung des größten Plattenmarktes der Welt galten. Auffallend ist, dass die Anzahl der Liveauftritte von Jahr zu Jahr deutlich abnahm und sich hieraus durchaus interpretieren lässt, dass die Beatles frühzeitig tourneemüde wurden.

 

Von Jahr zu Jahr wurde über mögliche Beatles-Auftritte in der Bundesrepublik Deutschland spekuliert. Aber jedes Mal erfüllte sich der sehnlichste Wunsch der Fans nicht. Sicherlich war es für die Beatles lukrativer, durch die USA zu touren, hier im Shea Stadion, der Hollywood Bowl oder der Carnegie-Hall in New York zu spielen, als einen Auftritt in Köln oder Hannover zu absolvieren. Ein Auftritt bei Hans-Joachim Kulenkampffs „Einer wird gewinnen“[11] hätte sicherlich für hohe Einschaltquoten im Deutschen Fernsehen gesorgt, jedoch mit ihrem ersten Auftritt am 9.2.1964 in der „Ed-Sullivan-Show“ erreichten die Beatles 73 Millionen Fernsehzuschauer in den USA.

     Auch wenn die Beatles 1964 eine Single speziell in deutscher Sprache („Sie liebt dich/Komm gib mir deine Hand“) aufnahmen und damit bekundeten, dass dem Management der Beatles der deutsche Markt nicht gleichgültig war, gab es aber anscheinend für sie ausreichend Gründe, nicht nach Deutschland zurückzukehren. Diese können durchaus mit Terminschwierigkeiten, unzureichenden Gagen oder fehlenden Auftrittskapazitäten erklärt werden. Vielleicht gab es aber auch andere Gründe. Thomas Rehwagen und Thorsten Schmitt weisen in ihrem Artikel „Die BRAVO-Beatles-Blitztournee“[12] auf mögliche Vaterschaftsklagen (z. B.: „Sein Vater ist ein Beatle“, BILD vom 21.2.1964) oder Strafverfolgungsmaßnahmen gegenüber den Beatles hin. Unter dem Aktenzeichen 21 Js 2064/64 findet sich bei der Oberstaatsanwaltschaft des Landgerichts Hamburg ein Ermittlungsverfahren gegen die Beatles wegen „kirchenschänderischen Verhaltens“. Während Rehwagen/Schmidt in ihrem Buch noch der These nachgehen, dass die Beatles vom Balkon ihrer Bandunterkunft auf eine Gruppe von Nonnen uriniert hätten, die sich auf dem Weg zur St.-Joseph-Kirche befanden, führt Ulf Krüger in seinem Buch „Beatles Guide Hamburg“ aus, dass dieses Verfahren gegen sie lief, „weil sie angeblich von der Kanzel der St. Joseph gepinkelt hatten“ [13] – Delikte, die in den 60er Jahren in Deutschland sicherlich keine Anerkennung gefunden hätten und die Gefahr in sich trugen, den Ruf der Beatles nachhaltig zu gefährden.

 

Im November 1965 erhielt BRAVO Konkurrenz durch die Zeitschrift OK. Auch OK hatte anscheinend bemerkt, wie wichtig die Beatles in der Zwischenzeit für den deutschen Musikmarkt geworden waren. So lag in der ersten Ausgabe der OK eine Schallfolie bei mit den Stimmen der Beatles – teils auf deutsch, teils auf englisch –, die ihnen der Hamburger Journalist Dieter Bröer in London aufgenommen hatte. Jene OK war es auch, die im Januar 1966 den erstaunten Lesern mitteilte, dass der junge Konzert-Veranstalter Karl Buchmann mit insgesamt sieben deutschen Städten für eine Beatles-Tournee in Verhandlungen stünde: Berlin, Hamburg, Essen, München, Münster, Dortmund und Köln sollten mögliche Auftrittsorte werden.

     Relativ schnell war jedoch Berlin aus dem Rennen. Vergeblich hatte sich der Berliner Senat bemüht, die Beatles fünf Jahre nach dem Bau der Mauer in die politisch symbolträchtige Stadt zu holen. Die sich anbietenden Bühnen in der Deutschlandhalle und dem Berliner Sportpalast waren bereits ausgebucht und „in der Waldbühne (21.000 Plätze) waren noch siebeneinhalb Kilometer Bankreihen zerschlagen: vom Beat-Konzert der Rolling Stones.“ (Der Spiegel Nr. 26/1966, S. 89)

     Berlin hatte also das Nachsehen und fast sah es so aus, als ob auch BRAVO das Nachsehen gehabt hätte. Allerdings zeigten Redaktion und Verlagsleitung in den folgenden Monaten, dass sie der OK doch um mehr als eine Nasenlänge voraus waren. „Sie kommen! Sie kommen! Sie kommen!“ hieß es auf der Seite 2 in der Nummer 11/1966. „BRAVO bringt die Beatles nach Deutschland“ Nanu, war nicht die OK diejenige, die darüber berichtete, dass die Beatles planen, nach Deutschland zu kommen? Verhandelte nicht der Konzertveranstalter Karl Buchmann mit den Beatles? Ja – aber BRAVO übernahm das Sponsoring der Tournee. Sicherlich war die Zeitschrift für das Beatles-Management ein guter Verhandlungspartner, der für die Beatles und ihre Platten ordentlich die Werbetrommel rühren konnte. Und für BRAVO bedeutete das Engagement für die Beatles-Tournee auf der anderen Seite, ständig im Gespräch zu sein und letztendlich die Auflage nicht nur zu halten, sondern gewaltig zu steigern. Durch die Tournee sollte es zu der unvermeidlichen Verbindung im Bewusstsein von jungen Menschen kommen: BRAVO war der Freund der Beatles und damit der Jugend – die Zeitschrift hat die Gruppe nach Deutschland geholt. BRAVO war der Freund der Beatles und damit der Jugend. Uli Twelker berichtete Jahre später darüber „Die Beatles waren ab 1966 meine erste Seifenoper, analog zum ’77 Sunset Strip’ meiner Eltern und den ’Hesselbachs’ der Großeltern. Dabei lieferten John, Paul, George und Ringo nur den Soundtrack. Episoden ihres so aufregenden Lebens bastelte ich mir selber aus der BRAVO.“[14] 

     In BRAVO sollte 1966 sehr viel über die Beatles stehen. Insgesamt 14 Cover mit Beatles-Motiven sollten die Zeitschrift schmücken. Günter Seiler, damals 20 Jahre alt, BRAVO-Leser der ersten Stunde, ist heute für Musikseminare bei der Friedrich-Ebert-Stiftung zuständig. Er berichtete über diese Phase der BRAVO: „Über nichts anderes wurde auf dem Schulhof gesprochen wie über die bevorstehende Tournee.“[15]

 

Aber bevor die Tournee anstand, konnten die Beatles-Fans mit der BRAVO erst einmal ein ganz anderes Ereignis feiern, den Gewinn ihres ersten Golden Ottos. Nachdem sie 1965 noch in der Kategorie „Sänger“ hinter Cliff Richard den 2. Platz belegt hatten, gewannen sie in diesem Jahr souverän in der neu geschaffenen Kategorie „Gruppen“ mit 115.476 Stimmen überlegen vor ihren ewigen Rivalen, den Rolling Stones, mit 74.088 Stimmen und der Berliner Gruppe Rainbows mit 10.274 Stimmen.

     Während das Ereignis selber in der Ausgabe 10 zelebriert wurde, lag der Ausgabe 13 die schon von Karl-Heinz Becker erwähnte Schallfolie bei, auf der sich die diversen Goldenen-Otto-Sieger bedankten. Dank dieser Schallfolie, die heute unter Sammlern mehrere hundert Euro wert ist, konnten die BRAVO-Leser u. a. die Stimme von George Harrison hören. In einem gut hörbaren Deutsch bedankte er sich im Namen der Beatles bei den Fans:

„Hallo, liebe BRAVO-Freunde!

Hier spricht George Harrison. Wir Beatles haben uns alle sehr gefreut, dass ihr uns zur beliebtesten Beatgruppe gewählt habt. Wir sind sehr stolz auf unseren BRAVO-Otto und dass wir in Deutschland so viele Freunde haben, besonders weil wir haben so viele schöne Erinnerungen an Good Old Germany.

     John, Paul und Ringo haben mich gebeten, euch in ihrem Namen zu sagen: „Thank you very very much, von ganzen Herzen dankeschön und alles Gute allen unseren Fans und besonders allen BRAVO-Lesern.

Euer George Harrison.“ (Abb.: Cover BRAVO 13/1966; Unterzeile: BRAVO 13/1966)

Für BRAVO dürfte dieses Statements eines Beatles, noch dazu in einem charmanten Deutsch, eine gelungene Werbemaßnahme für die Zeitschrift und die geplante Tour gewesen sein.

 

Die Zeitschrift unternahm alles, um das Beatles-Fieber für die bevorstehende Tournee weiter steigen zu lassen. In BRAVO 11/1966 wurde erst einmal der Name der Tour als „BRAVO-Beatles-Blitztournee“ angekündigt. „Die Nachricht hat eingeschlagen wie eine Bombe: BRAVO – Deutschlands größte Zeitschrift für junge Leute – hat die berühmteste Beatband der Welt, die Beatles, zu einer Deutschland-Tournee verpflichtet! Seit diese Meldung durch die Spalten der Tageszeitungen des In- und Auslandes ging, steht bei BRAVO das Telefon nicht mehr still. Die Drähte glühen, die ganze Welt will Einzelheiten wissen über diese sensationellste Tournee des Jahres, die den Titel ’BRAVO-Beatles-Blitztournee’ haben soll. Doch die BRAVO-Leser sollen die ersten sein, die alle Hintergründe erfahren, die zu diesem sensationellen Vertrag zwischen BRAVO und den Beatles geführt hat.“

     Niemand in der Redaktion der BRAVO schien sich ernsthafte Gedanken darüber zu machen, wie das Wort Blitz auf einen Engländer wirken könnte. Gut 21 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs dürften englisch sprechende Menschen in der Verbindung des Wortes Blitz sich an ein anderes Ereignis der deutschen Geschichte erinnert gefühlt haben, an die „Blitzkriege“ des Dritten Reichs. Die Namenswahl für die Tournee war von der BRAVO-Redaktion mehr als unglücklich gewählt.

     Ebenfalls in BRAVO 11/1966 wurde den Lesern berichtet, welche Schritte BRAVO unternommen hatte, um die Beatles nach Deutschland zu holen. Es war die Rede davon, dass BRAVO „die Drähte zwischen London und München spielen (ließ). Aber noch war ein weiter Weg zu gehen: Über die Filmgesellschaft United Artist, über George Clare, Repräsentant des BRAVO-Verlages in England, und über persönliche Freunde Brian Epsteins.“ Von allen war die Rede, nur nicht davon, dass im Grunde ein Konzertveranstalter, nämlich Karl Buchmann, die Verhandlungen mit dem Management der Beatles erfolgreich geführt hatte. BRAVO war insofern für die Tournee wichtig, dass die Zeitschrift das Sponsoring übernahm und von nun an kräftig die Werbetrommel für die Beatles schlug.

 

In der nächsten Ausgabe Nr. 12/1966 teilte uns die Zeitschrift mit, dass die Beatles „Heimweh nach St. Pauli“ hätten. Die Tournee wurde zum „Staatsbesuch in Germany“ hochstilisiert. Dem Artikel zufolge soll BRAVO-Korrespondent Don Short die Beatles in ihrem Hauptquartier in London besucht haben. „Und Paul, John, George und Ringo waren ihm dankbar, dass sie sich all ihre Gefühle von der Seele reden konnten. ’Ich bin fröhlich’, sprudelte Paul auf deutsch los. ’Mann, das wird eine großartige Sache. Wir freuen uns riesig. Gerade diese Reise hatten wir uns seit langer, langer Zeit gewünscht, um all unsere Freunde wiedersehen zu können. Wir sind fast vor Sehnsucht gestorben!’ Freudig fiel ihm John ins Wort: ’Die deutschen Fans haben einen Sonderplatz in unserem Herzen. Schade, wir konnten nicht früher kommen. Unsere Erfolgslawine nahm jede Minute von uns in Anspruch. Umso glücklicher sind wir, dass es jetzt hinhaut, nach Deutschland zurückzukehren. Und wir sind froh, es für BRAVO zu tun.’“

     Sehr wahrscheinlich haben die Beatles gar nicht so genau gewusst, was die BRAVO darstellte, allenfalls dürfte sie ihnen als deutsche Musikzeitschrift bekannt gewesen sein, die einen Teil ihrer nächsten Tournee finanzieren sollte. Die BRAVO-Beatles-Blitztournee, die im Beatles-Management als Teil der „1966 Summer Tour Germany and Japan“ geführt wurde, sollte laut BRAVO „... für die Liverpooler Vier die sensationellste Tournee ihres Lebens werden! Eine Reise der Erinnerungen, der vielen abenteuerlichen Erinnerungen, made in Germany ...“ Aber nicht nur für sie: „Die BRAVO-Beatles-Blitztournee wird auch für Millionen Fans ein Knüller Nr. 1 ...“

     Aber immer noch warteten die Fans auf die Termine und Veranstaltungsorte der Tournee. Glück für diejenigen, die außer der BRAVO auch die OK gelesen hatten, denn sie kannten immerhin schon einmal einige mögliche Städte, in denen die Beatles gastieren würden. Noch hielt BRAVO sich mit den Terminen zurück und zeigte stattdessen als Überbrückung in der Ausgabe 14/1966 die Beatles bei einem Fototermin im Londoner Kriminalmuseum. Und natürlich darf bei dieser Gelegenheit auch ein kleiner Hinweis auf die Tournee nicht fehlen „Die Beatles ’rüsten’ zu ihrer BRAVO-Tournee – Hands UP! Wir kommen!“ Insgesamt stellt der Beitrag nichts Spektakuläres dar, sondern gibt nur eine von zahlreichen Fotosessions aus dem Leben der Beatles wieder. Material, welches es in Großbritannien in Hülle und Fülle gab und das BRAVO sich über die Rechteinhaber in Großbritannien verschaffte.

 

In Bravo Nr. 16/1966 ist wieder Don Short am Zug. Don kann uns nun mitteilen, dass die Beatles nicht besonders interviewfreudig sind, aber für BRAVO gerne eine Ausnahme machen. Viel Interessantes wissen sie Don zu berichten, so teilt John mit, dass „... wenn das stimmt, was man uns über die deutschen Fans erzählt hat, können wir froh sein, wenn wir überhaupt mit heiler Haut davonkommen. Die deutschen Fans sollen ja wilder sein als hungrige Löwen.“ Paul fordert hingegen die Fans auf: „Alle können schreien, kreischen, stampfen und klatschen, so viel sie wollen. Wir möchten wissen, dass sie da sind. Wenn man auf der Bühne steht und in die grellen Scheinwerfer schaut, sieht man nämlich nicht, ob jemand im Zuschauerraum sitzt. Deshalb wärmt uns der Lärm richtig das Herz.“ George schließt mit einem praktischen Hinweis für die Fans: „Sagen Sie unseren deutschen Freunden doch, sie sollen nichts Schwereres als Gummibonbons auf die Bühne werfen. Ich habe einmal einen Damenschuh mit Pfennigabsatz an den Kopf bekommen. Bitte „nichts Schwereres als Gummibonbons auf die Bühne werfen.“ Ich war so groggy, dass ich nicht weiterspielen konnte.“ Nun, über das Schuhattentat auf George konnte ich in der gängigen Beatles-Literatur nichts finden und auch die Sehnsucht nach Lärm entspricht nicht der Wahrheit. Führte doch der bei Beatles-Konzerten übliche Lärm dazu, dass die Beatles kaum noch ihre Musik aus diesem Lärmpegel heraushören konnten und sie u. a. hierdurch das Interesse an weiteren Liveauftritten verlieren sollten. Ansonsten handelte es sich bei diesem Interview um Allgemeinplätze, die sich in fast jedem Interview mit den Beatles in dieser Zeit finden lassen und aus denen die deutsche Redaktion mit viel Geschick ein neues Interview zusammenpuzzeln konnte.

 

In BRAVO 17/1966 erreicht dann endlich eine „Sondermeldung der Beatles aus Ihrem Londoner Hauptquartier“ die Fans: „Drei Tage regieren wir Germany“. Und wie üblich schob BRAVO den Beatles fleißig Zitate in den Mund, die vor allen Dingen die Leser-Blatt-Bindung verstärken sollten. Hiernach teilte George Harrison den Lesern mit: „Hey Fans in Germany! BRAVO ist unser Gastgeber und wir sind Eure Gäste. Ein ganzes Wochenende gehört uns und Euch. Yeah!“ John Lennon wusste laut BRAVO zu ergänzen: „Wir freuen uns mächtig auf unser Beat-Regiment in Deutschland. Pro Tag geben wir zwei Veranstaltungen. Schon zählen wir unsere ’Untertanen’: In München werden es über 6.000, in Essen 14.500 und in Hamburg über 11.000 sein.“ Und für die Fans, die nicht in diesen Städten wohnten, hatte natürlich Paul McCartney einen guten Rat bei der Hand: „Wer nicht in einer dieser Städte wohnt, braucht nicht traurig zu sein. BRAVO veranstaltet verbilligte Sonderreisen zu unseren Veranstaltungen.“

     Die Sonderreisen wurden vom Reisebüro „Hummel-Reisen veranstaltet. In Zusammenarbeit mit der Deutschen Bundesbahn sollten mehrere Sonderzüge die Beatles-Fans quer durch die Bundesrepublik Deutschland zu den Veranstaltungsorten fahren. Nach München fuhren vier Sonderzüge (der „Rasende John“ aus Stuttgart, der „Fliegende Paul“ aus Innsbruck, der „Schnelle George“ aus Würzburg und der „Rollende Ringo“ aus Ulm), nach Essen acht Sonderzüge (neben den oben genannten Namen wurden die weiteren Sonderzüge noch mit den folgenden Namen bedacht: „Liverpool-Express“ aus Flensburg, „Beat-Train“ aus Aachen, die „Schnelle Michelle“ aus Köln, „BRAVO-Blitz“ aus Dortmund) und sechs Sonderzüge nach Hamburg (hier wurden die gleichen Namen wie in Essen verwendet, nur die „schnelle Michelle“ und der „BRAVO-Blitz“ fielen weg). Insgesamt setzten die Deutsche Bundesbahn und Hummel-Reisen 18 Sonderzüge ein, die jeweils 3 bis 10 Bahnhöfe anfuhren. Damit auch die Berliner Fans an dem Ereignis teilnehmen konnten, wurden von hier aus mehrere Flüge organisiert. Hierdurch war es dem Veranstalter und dem Sponsor logistisch gelungen, Beatles-Fans aus der gesamten Bundesrepublik zu erreichen und ihnen die Möglichkeit anzubieten, eine der begehrten Karten zu erwerben. 20,00 DM kostete die Eintrittskarte einschließlich der Vorverkaufsgebühr. Damals war dies eine Menge Geld für die Jugendlichen und hinzu kamen natürlich noch die Fahrtkosten. Günter Seiler (Abb.: Scans von Günter Seiler) zahlte beispielsweise 74,50 DM für die Fahrt von Mannheim nach Essen. Das Geld zahlten in seinem Fall die Eltern. Auf die Frage, ob ihm klar war, dass BRAVO die Tour nur sponserte, antwortete er: „So weit hat man gar nicht nachgedacht, man hat überhaupt nicht nachgedacht, Hauptsache, die Beatles kommen – da muss man hin. Ich habe nicht lange nachgedacht, ich habe gesehen, da gibt es ein Reisebüro, das diese Tour anbietet, und bin dort in meiner Mittagspause hingegangen – ich organisierte die Fahrt gemeinsam mit meiner Schwester – und habe im Reisebüro die Unterlagen unterschrieben. Abends haben wir dann unseren Eltern mitgeteilt, dass wir zu den Beatles fahren, und nachgefragt, ob sie uns die Fahrt bezahlen. Und sie haben die Kosten übernommen.“[16] In vielen Familien werden sich damals ähnlichen Szenarien abgespielt haben, der Besuch der Beatles war für Jugendliche wohl die Sensation des Jahres, und durch BRAVO bekamen sie Woche auf Woche die neuesten Infos über die Tour und ihre Vorbereitung mitgeteilt. In den Heften 20 und 21 wurde der Öffentlichkeit mitgeteilt, wer das Vorprogramm der BRAVO-Beatles-Blitztournee bestreiten würde. „1.800 Sekunden Glück. 30 Minuten werden die Beatles spielen. Im Vorprogramm spielen Cliff Bennett and the Rebel Rousers, die Rattles und Peter and Gordon.“ Als Ansager sollte der beliebte Moderator und Schlagersänger Charlie Hickmann fungieren. Chris Andrews, der in Heft Nr. 18 trotz Terminschwierigkeiten noch für das Vorprogramm gehandelt wurde, war damit aus dem Rennen.

     Während Cliff Bennett and The Rebel Rousers und Peter and Gordon beides Bands waren, die von Brian Epstein gemanagt wurden, handelte es sich bei den Rattles um eine beliebte deutsche Beatgruppe, deren Mitglieder teilweise noch die Beatles aus alten Hamburger Tagen kannten. Bei ihrer Teilnahme handelte es sich um ein kleines Politikum, denn ursprünglich waren die Berliner Rainbows als Vorgruppe fest eingeplant. Deren Bassist Horst Lippock schilderte in einem Interview mit dem Fan-Magazin Good Times Nr. 5/2001, wie es dazu kam, dass nicht sie, sondern die Rattles auftreten sollten: „Wir hatten eine gute Gage ausgehandelt, doch die Rattles boten an, umsonst zu spielen. Das haben wir abgelehnt. Rückblickend war unsere Entscheidung nicht richtig.“

 

Zur angekündigten BRAVO-Beatles-Blitztournee veröffentlichte BRAVO unter dem Titel „Das sind die Beatles“ einen stark bebilderten Sonderband. Hierbei handelte es sich um eine Übernahme aus dem Englischen, für dessen Bearbeitung jedoch Thomas G. Beyl, der Chefreporter der BRAVO-Beatles-Blitztournee, zuständig war. Beigefügt war dem Band, den der Käufer für 2,90 DM erwerben konnte, ein Poster mit den Horoskopen der Beatles. Auch in der BRAVO selbst sollte es von nun an eifrig mit Horoskopen weitergehen. Schließlich mussten die Seiten irgendwie gefüllt werden. Während wir in BRAVO 20/1966 erfahren, dass Paul McCartney heiraten wird, zittern die Leser in Heft 21/1966 um das Leben von Ringo Starr und BRAVO 23/1966 enthüllt, dass John Lennon womöglich die Beatles verlassen wird. Natürlich war es keine Kunst, solche Horoskope zu erstellen. Letztendlich gingen sie für die Beatles immer gut aus und der Leser konnte unbesorgt in seine heile Beatles-Welt zurückkehren.

 

Am 9.5.1966 begann endlich der Vorverkauf für Essen und München, die Hamburger mussten noch bis zum 16. Mai warten, um endlich ihre Karten erwerben zu können. Damit die Zeit bis zur Tournee nicht ganz so langweilig würde, veröffentlichte BRAVO ab Heft Nr. 19 eine Reihe von Beiträgen, welche die Beatles exklusiv für BRAVO geschrieben haben sollen. Dem geübten Leser dürfte allerdings bereits damals der enorme Qualitätsunterschied zwischen diesen Texten und den Songtexten der Beatles aufgefallen sein. Zitieren wir im Folgenden einmal den Ghostwriter von John Lennon:

„Hallo, liebe BRAVO-Freunde! Hier schreibt Euer John Lennon. Es ist zwei Uhr morgens. Glaubt ja nicht Freunde, dass ich jede Nacht um diese Zeit über einem Blatt Papier sitze und den Federhalter schwinge. Ihr haltet mich hoffentlich nicht für verrückt oder so was Ähnliches. Gewöhnlich ist diese Tageszeit –, sorry: Nachtzeit –, irgendwo irgendetwas los, bei dem Euer John nicht fehlen darf. Heute ist eine Ausnahme! Daran ist dieser komische BRAVO-Kerl schuld, der nicht aufhören wollte, an meine Tür zu hämmern. Er meint, ich dürfte Euch nicht ewig warten lassen, einmal etwas in meiner eigenen Schreibe zu lesen. Er hat recht ...“

BRAVO an der Schlafzimmertür eines Beatles? Fast zu schön, um wahr zu sein. Natürlich stammten diese Zeilen von einem ungenannten Ghostwriter, aber sie erfüllten ihren Zweck und hielten die Sehnsucht der Fans nach ihren Idolen weiterhin wach.

 

Es verging keine Woche, in der nicht in irgendeiner Form über die Beatles berichtet wurde. In BRAVO 26/1966 wurden den Lesern die engeren Mitarbeiter der Beatles vorgestellt. Unter dem Titel „Das sind die ’Schatten’ der Beatles! 7 Männer – 7 Storys“ porträtierte BRAVO Menschen aus dem Umfeld der Beatles wie z. B. den Manager Brian Epstein oder mit Malcom Evans und Neil Aspinall die beiden Roadmanager. Als Problem auf Beatles-Tourneen galt immer die Verstärkeranlage. In amerikanischen Footballstadien wurde der Sound der Gruppe oftmals über die Lautsprecheranlage gejagt, damit das Publikum den musikalischen Darbietungen der Fab Four folgen konnte. Für ihre Deutschlandtour kündigte BRAVO an: „Die Beatles werden garantiert den richtigen Ton während ihrer Auftritte in Deutschland finden! Sonst hatten sie immer etwas Ärger mit ihren 100-Watt-Elektro-Verstärkern. Doch jetzt haben sich die Beatles-Kleeblätter eine brandneue Anlage gekauft – 150 Watt. Bei der BRAVO-Blitztournee wird sie zum ersten Mal eingesetzt. Also, Freunde, Weltpremiere für die 150-Watt-Beatles! Ohren auf!“

     Zwar deutete BRAVO ein Problem der Beatles mit ihren Liveauftritten an, aber die Brisanz, die in dem Thema lag, verkannten sie. Das Equipment, was sich die Beatles 1966 für ihre Tour durch Deutschland, Südostasien und Amerika anschafften, war sicherlich das Beste, was es zu diesem Zeitpunkt gab. Nur es reichte nicht für eine Tour ihres Kalibers aus. Da die Industrie noch keine Monitorlautsprecher zur Verfügung gestellt hatte, konnten die Beatles ihre eigene Musik auf der Bühne kaum oder gar nicht hören. Dies führte langfristig natürlich dazu, dass sie die Freude an Liveauftritten verlieren sollten.

 

Endlich kann BRAVO ihren Lesern mit der Nummer 27/1966 am 27.6.1966 verkünden: „Die Beatles sind da!“ Zwar ist auf dem Cover Paul McCartney in einer Konzertaufnahme zu sehen, jedoch stammt das Foto aus dem „Annual Poll-Winners’ All Star Concert“ der Gruppe am 1.5.1966 in Großbritannien. Dies war gleichzeitig der letzte Auftritt der Band in Großbritannien.

     Am Freitag, den 24.6.1966 ist es im Zirkus Krone endlich so weit. Das erste von zwei Konzerten kann beginnen. Überall im Veranstaltungsraum hängen Plakate, welche die Fans, die aus allen Teilen der Republik angereist sind, daran erinnern, wem sie dieses Ereignis zu verdanken haben: BRAVO. Bevor die Beatles jedoch die Bühne betreten, eröffnet Moderator Charlie Hickmann die Veranstaltung. Als erste Gruppe kündigt er Cliff Bennett and The Rebel Rousers an. Im Tourprogramm erfahren wir über die Band: „Ihre Besetzung ist rar. Beat georgelt und geblasen. ’Big Band Bluesy Beat’ nennen sie ihren Spezial-Sound. Was bedeutet: Beat mit Blues-Einschlag und der Klangfülle eines großen Orchesters. Ihre Hits: ’You really got a hold on me’, ‘One way love’ und ‘I’ll take you home’. Über 200-mal treten Bennets Mannen im knackvollen Hamburger Star-Club auf. Damit begann der Erfolg dieser Jungs aus London: Hier hörte sie Beatles-Manager Brian Epstein. Die Rebel Rousers (deutsch: Die Empörung erregen) sind heute im gleichen Stall wie die Beatles – Spürnase Epstein wurde auch ihr Manager.“ – Cliff Bennett und seine Band haben es jedoch bei allen Konzerten der Tournee nicht leicht. Zu ungewöhnlich, zu sehr nach Blues klingt ihr Sound auf das Publikum. Nach ihren Auftritten erhalten sie freundlichen, aber kurzen Applaus, gemischt mit einigen Buhrufen. Trotzdem sollte sich ihr Engagement positiv für den weiteren Werdegang der Gruppe auswirken. Cliff Bennett berichtete Jahre später, dass während der BRAVO-Beatles-Blitztournee eines Abends Paul McCartney in die Garderobbe der Band kam und ihnen eine seiner neuesten Kompositionen „Got to get to into my life“ vorstellte, ein Lied, das auf der nächsten LP der Beatles „Revolver“ zu finden sein wird. Die Nummer gefällt der Gruppe und sie nimmt im Anschluss an die Tournee eine eigene Version des Songs auf. Mit dieser Nummer erreicht sie Platz 6 der englischen Charts. Der größte Erfolg für Cliff Bennett and The Rebel Rousers.

     Lange, für den einen oder anderen viel zu lange, müssen die Fans auf ihre Idole waren. Zunächst treten noch andere Künstler auf, z. B. Peter & Gordon. „Von ihrer ersten Scheibe ’A World without Love’ wurden schnell eine Million verkauft. Zwei weitere Erfolge verdanken sie Peters rothaariger Schwester Jane. Jane-Verehrer Paul McCartney schrieb für Peter & Gordon ’Nobody I know’. Unter falschem Namen komponierte Paul den Super-Hit der beiden, ’Woman’, um zu testen, ob ein Beatles-Song auch ohne den Namen der Beatles Erfolg hat.“ Soweit das Tour-Programm. Peter & Gordon sollten beim Publikum mit ihren melodiösen, stark Beatles-beeinflussten Songs sehr gut ankommen. Aber es sollte noch eine Band geben, die ähnliche Erfolge beim Publikum einheimste und beinahe zu einer Gefahr für den Auftritt der Beatles geworden wäre: die Hamburger Rattles.

     Die Musiker der Beatles und der Rattles kennen sich seit Hamburger Star-Club-Tagen. Im Tourprogramm wurden sie mit den folgenden Worten vorgestellt: „1963 wurden sie Deutsche Meister im Beat. Turmhoch siegten sie im ersten Band-Wettbewerb des Star-Clubs. Fortan durften die Rattles im Star-Club spielen – als erste deutsche Beat-Band, die dessen für würdig befunden wurde. Aber sie waren noch besser: wagten sich sogar in die Heimat des Beat, nach Liverpool, wo die Beatles sie feierten. Dann kam der Erfolg. Ihre bekanntesten Hits wurden ’La-la-la’ und ’There goes my love again’. Kennzeichen: Harmonischer Gruppen-Sound. Rattles-Boss Achim schreibt ihre Hits selbst. Die Songs ihres Films ’Hurra, die Rattles kommen’ sind alles Eigenbau der Beatles aus Hamburg.“ – Es gelingt den Rattles, eine hinreißende professionelle Bühnenshow hinzulegen. Wer heute noch die Gelegenheit hat, Filmaufnahmen vom Münchener Konzert zu sehen, wird dies ohne Zweifel erkennen. Bei den Rattles handelte es sich zu diesem Zeitpunkt um eine gut eingespielte Band, die ihr Publikum zu begeistern wusste.[17] Noch Jahre später wird sich Wolfgang Niedecken von BAP an das Konzert erinnern: „Die Rattles haben wir auch mitbekommen – auch wenn die nicht das Original waren, wir fanden die toll. Bei der ’BRAVO-Blitztournee’ waren die ja im Vorprogramm der Beatles. Da hab ich dann das Netzhemd von Achim Reichel gesehen. Das wollte ich auch haben – ich bin dann sogar mit Netzhemd aufgetreten.“

     Ohne Zweifel, die Rattles begeistern das Publikum so sehr, dass Brian Epstein Angst um den Erfolg seiner Beatles bekommt und sie bei den kommenden Konzerten an den Anfang stellt. Ereignisse, von denen der BRAVO-Leser nichts erfahren wird, erst Jahre später werden die Ereignisse in anderen Publikationsorganen veröffentlicht.

 

Die Beatles-Fans hatten lange im Vorfeld gerätselt, welche Songs die Beatles auf der Bühne spielen würden. Im Rückblick auf die Tour berichtet BRAVO in Heft 29/1966, wie die Songliste der Beatles angeblich entstanden sei: „Welche Songs sollen wir den deutschen Fans bringen? Das war ein Problem, mit dem sich die vier Glückspilze vor Beginn Ihrer BRAVO-Blitz-Tournee beschäftigten. Und die richtige Wahl der Songs war bei ihrer Ankunft in München noch immer ihre große Sorge. Kaum hatten sie im Hotel ihre Koffer ausgepackt, rannte Ringo mit einer Liste Beatles-Hits zu BRAVO-Redakteur Ulrich-Hoppe: ’Please, kreuze für uns an, welche unserer Songs in Germany am populärsten sind.’“ Eine abenteuerliche Geschichte, BRAVO stellt die Beatles als vier hilflose Künstler dar, die zwar großartige Songs komponieren können, jedoch nicht in der Lage sind, einzuschätzen, welche ihrer Lieder auf einer Tournee besonders gut ankommen.

     Natürlich hatten sich die Beatles lange vor Beginn ihrer Touraktivitäten 1966 darauf geeinigt, welche Lieder sie auf ihren Konzerten spielen würden. Das Programm enthielt bei allen Konzerten in Deutschland, Japan, den Philippinnen und den USA immer die gleiche Songfolge:

-           Rock‘n’Roll Music (Beatles For Sale, 1964)

-           She’s a Woman (Single B-Seite, 1964)

-           If I need someone (Rubber Soul, 1965)

-           Baby’s in black (Beatles For Sale, 1964)

-           Day Tripper (Single A-Seite, 1965)

-           I feel fine (Single A-Seite)

-           Yesterday (Help, 1965)

-           I wanna be your Man (With The Beatles, 1963)

-           Nowhere Man (Rubber Soul, 1965)

-           Paperback writer (Single A-Seite, 1966)

-           I’m down (Single B-Seite, 1965)

11 Songs sollten die Beatles spielen, 11 Songs, die für gerade einmal 25 Minuten reichen mussten. Auf ihren bisherigen Tourneen hatten sie immer 12 Songs gespielt. Es hat fast den Anschein, als ob es der Gruppe gar nicht schnell genug gehen konnte, bis sie die Bühne wieder verlassen konnten. Ein Anzeichen von Tourmüdigkeit? Sicherlich entbehrt diese Vermutung nicht einer großen Wahrscheinlichkeit. Nach vier Jahren fast ununterbrochenen Auftretens in großen Hallen und Stadien mit teilweise primitiven Verstärkerbedingungen ist das Bedürfnis der Beatles nach Liveauftritten auf dem Nullpunkt. Die Zukunft der Gruppe liegt im Studio. Hier können sie sich austoben und neue Meisterwerke produzieren, wie z. B. die Songs ihrer nächsten LP „Revolver“, die am 5. August 1966 in Großbritannien veröffentlicht werden wird.

     „Paperback Writer“, ein Song aus den Sessions zu „Revolver“, ist die aktuelle Single der Beatles. Während der BRAVO-Beatles-Blitztournee wird sie Nummer 1 der amerikanischen Charts werden. Während die Beatles den Song spielen, fällt kritischen Zuhörern im Publikum auf, dass er nicht so perfekt klingt wie auf der Single und die Beatles Unsicherheiten beim Gruppengesang zeigen. Viele andere Songs von „Revolver“ eignen sich beim damaligen Stand der Bühnentechnik noch weniger für einen Auftritt. Aus diesem Grund gehen die Beatles mit ihrem Repertoire während der Liveauftritte in ihre musikalische Vergangenheit zurück. Die überwiegenden Songs stammen aus den Jahren 1965 und 1964, mit „I wanna be your Man“ kehrt die Gruppe sogar in den Frühling ihrer Karriere, ins Jahr 1963 zurück. – Auf den „neuen Sound“, den BRAVO letztmalig im Tourprogramm ankündigte, warteten die Fans vergeblich. Stattdessen präsentierten die Beatles sich sehr unvorbereitet. George Harrison passierte das Missgeschick, dass er die Ballade „Yesterday“ als einen Song der LP „Beatles vor Sale“ ankündigte. Bei „I’m down“ unterhielten sich John, Paul und George auf der Bühne über den Text der ersten Strophe. Allerdings funktionierte dies nicht so richtig, denn Paul McCartney schaffte es, die anderen völlig durcheinander zu bringen. In der allgemeinen Begeisterung mag dies alles untergegangen und den Beatles-Fans nicht aufgefallen sein, jedoch Brian Epstein war nicht besonders amüsiert darüber und der schwache Auftritt der Beatles war sicherlich mit dafür verantwortlich, dass die Rattles zukünftig an den Anfang der Show verwiesen wurden.

 

Von München aus reisten die Beatles mit der Deutschen Bundesbahn weiter nach Essen. Hierbei benutzten sie denselben Sonderzug, in dem ein Jahr vorher Queen Elisabeth II. bei ihrem Staatsbesuch in der BRD gefahren war. Nach BRAVO 29/1966 soll John in diesem Sonderzug „Warum ist es am Rhein so schön“ gesungen haben. BRAVO kann uns weiterhin berichten, dass die Antwort der Beatles darauf war: „... weil wir ihn in Ruhe betrachten konnten.“ Auf der Pressekonferenz in Essen, die vom WDR mitgeschnitten wurde, stellte ein Reporter den Beatles diese Frage tatsächlich. Interessant ist zu hören, was John Lennon auf diese Frage antwortete: „Wir haben geschlafen.“ Ringo Starr ergänzte ebenfalls: „Ich schlief.“ Auch ansonsten geben die Pressekonferenzen der Beatles während der Blitztournee nicht viel her. Auf die Frage, was sie von den Fragen halten, die ihnen hier gestellt werden, antwortete John Lennon sehr wahrheitsgemäß: „They´re a bit stupid, yeah!“ Selbstredend fanden solche interessante Ausführungen keinen Eingang in die Berichterstattung der BRAVO.

 

Am letzten Abend ihrer kurzen Deutschlandtournee spielten die Beatles in der mittlerweile abgerissenen Ernst-Merk-Halle in Hamburg. Neben vielen Freunden aus Hamburger Tagen waren der spätere Bundeskanzler Helmut Schmidt mit seiner Frau Loki die prominentesten Besucher des Konzertes. Thomas G. Beyl, Chefreporter der BRAVO-Beatles-Blitztournee, schreibt in seinem Artikel „Meine Tage mit den Beatles“ über die Hamburger Ereignisse: „...somit werden die beiden Shows in Hamburg absoluter Höhepunkt der BRAVO-Beatles-Blitztournee. Auch persönlich. Denn in ihren Kabinen empfangen die Boys ihre alten Freunde aus alten Zeiten. Es ist eine ergreifende Wiedersehensfeier.“ Rund 30 Jahre später erinnern sich die Beatles an ihre damaligen Erlebnisse. Was Thomas G. Beyl als sehr euphorisch darstellt, liest sich in der „Anthology“ etwas differenzierter:

George Harrison:

Hamburg löste angenehme und unangenehme Gefühle in mir aus. Das Gute war, dass wir zurückkamen nach all unseren Erfolgen, als wir zum ersten Mal dort waren, mussten wir in schmuddeligen Nachtclubs spielen. Das Schlechte war, dass viele Geister der Vergangenheit auftauchten – Leute, die man nicht unbedingt wiedersehen wollte. Leute, mit denen man sich 1960 in einer trinkseligen Nacht angefreundet hatte. Es war 1966, du hast unglaubliche Veränderungen durchgemacht, und plötzlich springt dich so ein Geist aus der Vergangenheit an.

Paul McCartney:

Wir hatten ein altes Engagement, das wir einlösen mussten. Es war seltsam, unsere alten Freunde in Hamburg wieder zu sehen. Es war, als wären wir zu etwas anderem mutiert, und trotzdem waren wir immer noch die Jungs. Aber wir wussten und sie wussten es, dass wir in der Zwischenzeit berühmt geworden waren, und dass wir diese Auftritte wirklich nicht mehr machen sollten. Trotzdem war es gut. Ich weiß noch, es war ein sehr verrückter Abend, sehr feucht. Es gab viele Tränen von unseren deutschen Gangsterfreunden, wehmütige Erinnerungen an die alten Zeiten. Ich weiß nicht, wie gut das Konzert musikalisch gesehen war, aber es war nett, ein letztes Mal zurückzukehren.

Ringo Starr:

Bis heute scheint Hamburg sich nicht verändert zu haben. 1992 spielte ich dort und es kommt mir noch genauso vor wie früher. Jedes Jahr oder alle zwei Jahre komme ich hin, und die Reeperbahn hat noch immer dieses Flair, es ist immer noch aufregend für mich. Es war der spannendste Ort, an den man mit zwanzig gehen konnte – das Rotlichtviertel von Deutschland –, um in den Nachtclubs zu spielen mit all dem Schnaps und den Pillen, den Nutten, der ganzen Atmosphäre. Es war unglaublich, und ich fand´s großartig, 1966 zurückzukommen.

 

Über das Wiedersehen mit den alten Freunden kann Thomas G. Beyl weiterhin berichten:

„Fürst Bismarck kommt und lädt die Beatstars für die Nacht zu einer Party in sein Schloß Friedrichsruh ein. Doch die Beatles haben bei ihren beiden Auftritten in Hamburg ihr Letztes gegeben. Sie sind viel zu erschöpft, um eine Party zu feiern. Außerdem müssen sie sich ja für ihre Japantournee innerlich vorbereiten. Sie fahren mit ein paar engen Freunden ins Hotel zurück und erzählen sich von alten Hamburger Zeiten. So geht die letzte Nacht der Beatles in Deutschland zu Ende.“

Diese Darstellung dürfte den Tatsachen entsprechen und wird von George Harrison in der „Anthology“ bestätigt: „John ist gern zurückgekommen. Es war jedoch ziemlich spontan wie alles damals. Am Tag nach dem Konzert in Hamburg hatten wir einen Flug nach Tokio gebucht, deshalb wurden wir direkt nach dem Auftritt aus der Stadt gebracht, auf ein großes Schloss, das man als Hotel umgebaut hatte, wo wir übernachteten. Dann flogen wir nach Heathrow und von dort weiter nach Japan ...“ Aus den BRAVO-Berichten lässt sich zumindest nicht die spätere Legende herleiten, dass die Beatles im Anschluss an ihre Hamburger Konzerte noch spätnachts die Reeperbahn und den Star-Club besucht haben. Eine Legende, die sich hartnäckig in Beatles-Fankreisen hält, für die es jedoch keinen Beleg gibt.

     Thomas G. Beyl[18] beschließt seinen Artikel mit den Worten: „27. Juni, Hotel Tremsbüttel: Wieder einmal Abschied von Hamburg. ’Schade’, sagt Paul, der einmal zuerst auf ist, ’dass alles schon vorbei ist!’ Kurz vor ihrer Abreise empfangen die Beatles noch Freunde: die Rattles. Dann – um 15 Uhr 15 geht´s ab zum Flughafen. Noch eine große Sorge haben die Beatles: ’Thomas, die ganze Zeit gingen wir durch dick und dünn. Lange haben wir nachgedacht, was wir dir als Abschiedsgeschenk geben könnten. Sag, was möchtest du gern?’ ’Kommt bald wieder zurück’, sage ich beim Abschied. Wird mein Wunsch bald in Erfüllung gehen?“ Thomas G. Beyls Wunsch, den er den Beatles gegenüber geäußert haben will, ist nicht in Erfüllung gegangen. Mit ihrem Auftritt am 29. August 1966 im Candlestick Park in San Franzisco gaben die Beatles ihr letztes Live-Konzert und kehrten als Gruppe der Bühne den Rücken.

 

Die BRAVO-Beatles-Blitztournee war für die Beatles eine kleine Tour in einem Abschnitt ihrer Geschichte, wo sie sich im Übergang von einer Liveband zu einer Studioband befanden. Für BRAVO war es das große Ereignis, von dem die Zeitschrift noch lange Zeit zehren sollte und das sich im Bewusstsein der Jugend als die Tage manifestieren sollte, „als BRAVO die Beatles nach Deutschland holte“. Dutzende Berichte, Poster und 14 Titelbilder hatte es in diesem Jahr über die Beatles in BRAVO gegeben. So viel wie nie zuvor über eine Gruppe.

     Natürlich berichtete BRAVO auch weiterhin über die Erfolge der Beatles. Jedoch nahm die Anzahl der Titelbilder stetig ab. Die Zahl der Beatles-Cover reduzierte sich 1967 auf 3, 1968 auf ein einziges und 1969 auf 2 BRAVO-Titel. Bei der Wahl zum Goldenen Otto erreichte die Gruppe 1967 hinter Dave Dee, Dozy, Beaky, Mick & Tich den zweiten Platz. Ebenfalls auf dem zweiten Platz landete die Band 1968 und 1969 jeweils hinter den Bee Gees, während sie 1970 ihren zweiten und letzten Goldenen Otto gewinnen sollte. (Abb.: BRAVO 31/1967, S. 38 u. 39; Unterzeile: BRAVO 31/1967))

 

Get back – BRAVO und die Beatles-Reunion

Als Paul McCartney am 10.4.1970 erklärte, dass er die Beatles verlassen würde, war die Geschichte der erfolgreichen und einflussreichen Beatles beendet. Von nun an sollten die vier Pilzköpfe ihre eigenen Wege verfolgen. BRAVO begleitete die einzelnen Solokarrieren und brachte hin und wieder auch Spekulationen an den Mann, dass die Gruppe sich wieder zusammenfinden würde. Schon bei der Veröffentlichung der Ringo-Starr-LP „Ringo“ schrieb BRAVO im November 1973 eine Story „Vier Beatles auf einer Platte“, die sich mit einer möglichen Reunion der Beatles befasste. Auch in den folgenden beiden Jahren berichtete die Zeitschrift hin und wieder über dementsprechende Gerüchte. (Abb.: BRAVO 1/1969 Cover; Unterzeile: In BRAVO 1/1969 werden sie noch als „Band des Jahres“ gefeiert …; Abb. BRAVO 9/1969, S. 16 u. 17; Unterzeile: … acht Ausgaben später kündigt BRAVO das Ende des umstrittenen Kleeblatts an: „Sie fanden gemeinsam zum Rauschgift und gemeinsam zum Maharishi. Heute liegen ihre Ansichten und Interessen weiter auseinander als ihre Wohnsitze.“ (BRAVO 9/1969, S. 19f))

     Am 20.1.1976 unterbreitete der amerikanische Veranstalter Bill Sargent den Beatles ein Angebot von über 30 Millionen Dollar für einen gemeinsamen 20-minütigen Auftritt. Über dieses Angebot schrieb im Anschluss die gesamte Weltpresse. Natürlich auch BRAVO. So finden wir in Heft 9/1976 einen zweiseitigen Artikel von Frances Schoenberger/Hollywood und Margit Rietti/London über das Angebot. Bill Sargent wird hierbei als Exzentriker dargestellt, der viele verrückte Ideen hat, die sich aber leider alle nicht in die Tat umsetzen lassen. Im Fall der Beatles wird er in der BRAVO sehr konkret: „Ich garantiere den Beatles 30 Millionen Dollar, und dafür müssen sie mindestens 20 Minuten zusammen spielen. 30 Millionen Dollar für einen 20-Minuten-Auftritt. Wo sie spielen, überlasse ich ihnen. Falls ich gefragt werde, würde ich das Olympia-Stadion in München oder das Olympia-Stadion in Montreal vorschlagen.“ Natürlich sollte der geplante Auftritt auf der ganzen Welt zu sehen sein und ein weiterer Film über das Ereignis gedreht werden. Leider, und das gesteht BRAVO im nächsten Abschnitt ein, haben jedoch die Rechtsanwälte der Beatles auf das Angebot noch nicht reagiert. Doch BRAVO wäre nicht BRAVO, wenn sie nicht einen Ausweg für die Fans wüssten: Wenn sich schon nicht die Rechtsanwälte zu Wort melden, dann müssen zumindest die Beatles selber gefragt werden oder Ausschnitte aus alten Interviews hervorgekramt werden. Nach BRAVO äußerte sich Ringo Starr folgendermaßen: „Ich würde gerne mit den Beatles auftreten. Bei den Aufnahmen zu meiner letzten Platte hatten wir eine Menge Spaß miteinander.“ Auch George Harrison wollte nicht länger der böse Bube sein: „Wenn die anderen drei mitmachen, bin ich auch dabei.“ John Lennon hingegen erklärte, dass für ihn die ganze Sache uninteressant sei. Paul McCartney hüllte sich in Schweigen. Zum Abschluss des Berichtes verkündete BRAVO: „Die ganze Welt wünscht diesen Auftritt. Von vier Stimmen hängt es ab, ob er Wirklichkeit wird. Zwei Beatles sind dafür, Paul, der Diplomat, enthält sich der Stimme. Die einzige Absage kommt von John. Auch wenn´s zurzeit nicht danach aussieht. Vielleicht wird das Beatles-Wunder doch noch wahr.“ Damit sich die Fans schon einmal auf das zukünftige Ereignis vorbereiten konnten, war der Artikel mit einer Live-Fotomontage der Beatles versehen, welche die Illusion eines gemeinsamen Auftritts vermittelte.

     Wenige Wochen später konnten die Leser der BRAVO einen Artikel genießen, der in märchenhafter Stimmung vermittelte, wie ein fiktives Beatles-Konzert aussehen könnte. Demnach spielte Paul McCartney gemeinsam mit seinen Wings ein Konzert. Plötzlich kommen George Harrison und Ringo Starr auf die Bühne und gemeinsam spielen sie einige ihrer alten Songs. In einer Pause zwischen den Stücken bedauert Paul McCartney, dass die Band nicht komplett sei. Doch dann ertönt eine Stimme aus dem Publikum, dass er, John Lennon, ja hier sei und seine Gitarre mitgebracht habe. Im Abschluss des Artikels kommt der Autor jedoch wieder zur Realität zurück und erinnert daran, dass ein Beatles-Konzert wohl nicht ganz preiswert sein dürfte, und fordert die Fans schon einmal dazu auf, für dieses Ereignis zu sparen.

 

In BRAVO 17/1976 gibt Paul McCartney dem BRAVO-Redakteur Gerald Büchelmaier ein Exklusiv-Interview, in dem er der BRAVO und ihren Lesern mitteilt, wie er sich eine Reunion der Beatles vorstellt. Zunächst einmal teilt er den Lesern zur Beruhigung mit, dass alle Gerüchte und Meldungen, dass er gegen ein solches Ereignis sei, falsch seien. Weiterhin führt er aus und wird damit zum idealen Werbeträger für das Blatt: „Ich lese BRAVO sehr oft, und ich habe den Eindruck, dass eure Storys fair sind. Deshalb soll BRAVO erfahren, wie es wirklich um mich und die Beatles steht ...“ Auf die Frage „Wie lange würdest du bei einer weltweiten Übertragung des Konzerts gern spielen?“ antwortet Paul McCartney: „Ich habe da einen speziellen Plan, den ich bisher noch niemand verraten habe: Ich bin dafür, dass John, George, Ringo und ich erst je eine halbe Stunde spielen, jeder mit seiner eigenen Gruppe. Da können die Millionen Zuschauer sehen, wie sich jeder von uns entwickelt hat, was er heute macht. Anschließend wäre es soweit: Die Beatles würden in der alten Besetzung eine Stunde lang auftreten. Ich würde dabei am liebsten die ganz großen alten Hits wie ’Yesterday’ oder ’Hey Jude’ singen, aber auch neue Songs, speziell für dieses Konzert komponiert. Ich finde, wir müssen einfach was Neues bringen ...“ – Diese Sätze sollten doch jeden Beatles-Fan damals beruhigt haben. Und um ihn noch etwas mehr in Hoffnung zu wiegen, endet das Interview mit der Ankündigung, dass Paul McCartney in Kürze John Lennon treffen würde und sie gemeinsam viel zu besprechen hätten.

     Das Interview mit Paul McCartney war nicht das einzige, was die Redaktion mit einem Ex-Beatle führte. Eine Woche zuvor kam bereits Ringo Starr im Artikel „Blitzbesuch in Hamburg: Ringo im Kreuzverhör“ zu Wort: Was so dramatisch klang, hörte sich im Text relativ gelassen an. Ringo war anlässlich seiner Vertragsunterzeichnung mit der Polydor nach Hamburg gereist und stellte sich den Fragen der versammelten Journalisten. Natürlich war auch eine mögliche Beatles-Reunion ein Thema für die Presse. Der BRAVO-Reporter Jörg Flemming stellte Ringo die Frage: „Wird es das Sensationskonzert geben?“ Ringo antwortete darauf: „Alle Welt spricht ja schon darüber. Wir selbst haben uns auch schon darüber unterhalten. Ich bin dafür und würde sofort mitmachen. Aber es ist ja nicht nur eine Sache der Dollars – uns ist schon mehr geboten worden.“ Weiterhin führt Ringo aus, dass selbstverständlich von dem Konzert eine Platte mitgeschnitten wird, die der Fan selbst „im kleinsten Kaff der Welt“ hören kann.

     Damit die Fans sich schon einmal auf das mögliche Ereignis innerlich besser einstellen können, veröffentlicht BRAVO in Heft Nr. 35/1976 einen Artikel über „Das letzte Konzert der Beatles“. In diesem gut recherchierten Artikel schildert ein Augenzeuge namens Philip Edwood, wie das letzte Konzert der Beatles am Montag, dem 29. August 1966 ablief. Und selbstverständlich bleibt beim Leser der geheime Wunsch zurück, bei einem möglichen Reunion-Konzert der Beatles dabei zu sein.

     Nach diesem Artikel wird es ein wenig ruhig um ein mögliches Beatles-Konzert. Doch anlässlich des Besuchs von George Harrison im Februar 1977 in der BRD, zwecks Promotion für sein neues Album „33 1/3“ greift BRAVO im Interview mit George die Reuniongerüchte noch einmal auf. Doch George, der bei dieser Gelegenheit auch einige Autogrammkarten, Singles und eine LP zur Verlosung in der BRAVO unterschreibt, dämpft die Sehnsucht der Fans erst einmal gewaltig. In Heft 9/1977 wird er nach einer Wiedervereinigung der Beatles gefragt: Er antwortet darauf: „Ich kann ganz genau sagen, wann die Beatles wieder zusammenkommen, nämlich am 18. September 1986. Wir werden dann zusammen Tee trinken.“ Weitaus ernsthafter führt er dann aus: „Paul McCartney sagt auf solche Fragen immer ’vielleicht’ und meint ’nein’. Ich sage meistens ’nein’ und meine ’möglicherweise’. Ich will wirklich nicht ausschließen, dass es noch einmal passieren könnte.“ Von George kommt also nichts Neues in Sachen Wiedervereinigung der Beatles. Dafür kann der Fan eine Woche später der Stimme George Harrisons am Star-Telefon der BRAVO lauschen. Doch wer gedacht hat, George würde sich hier über die Beatles äußern, wird enttäuscht. Er spricht lediglich über seine aktuelle Arbeiten und seinen neuen Song „This Song“.

     Doch noch lässt BRAVO nicht locker und präsentiert uns in Heft 21/1977 die Schlagzeile: „Die Beatles sind wieder zusammen!“ Jedoch wird die Schlagzeile von zwei großen Fragezeichen eingerahmt, die auf den Pferdefuß der Geschichte hinweisen. In den USA erschien die LP „Klaatu“ von einer gänzlich unbekannten Gruppe gleichen Namens. Ein amerikanischer DJ verbreitete über seinen Sender, dass es sich bei Klaatu um die Beatles handeln könnte. Der Artikel geht der Frage nach, inwieweit es sich bei Klaatu um die wiedervereinigten Beatles handeln könnte. Obwohl es viele Indizien gibt, die auf die Beatles hinweisen, kommt BRAVO zu dem Schluss, dass es sich bei Klaatu um eine kanadische Studiogruppe handelt. Zwar konnte BRAVO Klaatu enttarnen, jedoch hielt die Redaktion sich ein kleines Hintertürchen offen und ließ die Leser in dem Glauben: „Vielleicht sind es doch die Beatles.“ Es wäre interessant zu wissen, wie viele Leser sich aufgrund dieses Artikels die Platte gekauft haben.

     Mit diesem Beitrag beendete BRAVO die Berichterstattung über eine mögliche Wiedervereinigung der Fab Four. Von nun an standen wieder die Soloaktivitäten und die Berichterstattung über die Geschichte der Beatles im Vordergrund. So veröffentlichte BRAVO beispielsweise ab Heft 26/1977 eine mehrteilige Story über die Beatles. In den Heften 52/1978 – 3/1979 fand sich ebenfalls eine vierteilige Geschichte, die den Stationen der Beatles nachging. Jede einzelne Folge war so gestaltet, dass in der Mitte des Heftes ein Poster eines einzelnen Beatles beilag, auf dessen Rückseite die Story abgedruckt war. Zusammengefügt ergaben die vier Einzelbilder ein Gesamtposter der Gruppe.

 

John Lennons Tod

Aufmerksam verfolgt BRAVO in den 70er Jahren die Solokarrieren der einzelnen Beatles. Während Paul McCartney mit seiner neuen Gruppe Wings einen Erfolg nach dem anderen erringen kann, versuchen George Harrison und Ringo Starr zunehmend, sich im Filmgeschäft zu etablieren. Um John Lennon, die ehemalige Führungsfigur der Beatles, war es ab Mitte der 70er Jahre ruhiger geworden. Nur hin und wieder tauchte er noch mit kurzen Meldungen in der BRAVO auf. John zog sich aus dem Musikgeschäft zurück und widmete sich der Erziehung seines Sohns Sean und übernahm den Haushalt der Familie Lennon. Erst im Sommer des Jahres 1980 entwickelten sich neue musikalische Aktivitäten. Gemeinsam mit seiner Frau Yoko Ono nimmt er ein neues Album „Double Fantasy“ und eine neue Single „(Just like) starting over“ auf. Beides wird im Herbst des Jahres 1980 veröffentlicht. Es hat den Anschein, als ob John Lennons Comeback ein voller Erfolg werden würde. Jedoch kommt es am 8. Dezember 1980 in New York zur Tragödie.

     Am 8. Dezember 1980 wird John Lennon kurz vor Mitternacht vor seiner Wohnung im Dakota Building in New York von einem Geistesgestörten namens Mark David Chapman angeschossen. John Lennon wird von mehreren Kugeln getroffen und stirbt auf dem Weg zum Krankenhaus. Weltweit bricht eine große Trauer um den Ex-Beatle und Solokünstler aus. Sondermeldungen verkünden seinen Tod, für die großen Nachrichtensender rückt dieses Ereignis auf den vordersten Platz der Meldungen. Weltweit kommt es zu Sondersendungen und Sonderberichten in den Zeitungen.

     Für BRAVO ist es zu spät, die Druckerpressen noch anzuhalten. Und so erscheint mit der Bravo 51/1980, die am 11.12.1980 veröffentlicht wird, ein Artikel, in dem John Lennon als „Der verrückteste Beatle“ (Abbildungshinweis Bravo-Bericht 51/80 ???) vorgestellt wird. Noch kann die Zeitschrift ankündigen, dass er nach fünfjähriger Pause mit seiner neuen LP „Double Fantasy“ wieder da ist. Eine Woche später jedoch findet sich in Bravo 52/1980 auf der zweiten Seite schon ein kleiner Kasten, der mit „Trauer um John Lennon“ überschrieben ist. Anstelle eines geplanten Posters von Barbara Streisand veröffentlicht die Zeitschrift stattdessen ein Poster von John Lennon.

     Beginnend mit der Nr. 1/1980 veröffentlicht BRAVO eine mehrteilige Serie über John Lennon, sein Leben und die Beatles. U. a. finden wir hier auch noch einmal einen Bezug auf die „BRAVO-Beatles-Blitztournee“. Unter der Überschrift „Help! Das war das Größte“ stellt BRAVO ebenfalls in Heft Nr. 1/1980 die Stationen der Tour noch einmal dar.

 

Ab Mitte der 80er Jahre sollte es langsam ruhiger um die Beatles in der BRAVO werden. John Lennon war tot, Ringo Starr und George Harrison hatten sich zu diesem Zeitpunkt aus der Musikbranche fast zurückgezogen. Paul McCartney war der einzige Ex-Beatle, der noch regelmäßig Platten veröffentlichte. Zudem wandelte sich der Musikgeschmack der Leser und die einzelnen Beatles wurden auch nicht jünger. Aber so ganz verschwanden sie nie aus dem Heft. Immer wieder gab es kleine Meldungen oder Berichte. Heft 2/2001 enthielt sogar ein DIN-A 3 Poster der Beatles.

 

50 Jahre BRAVO, davon über 35 Jahre mit Berichten, Meldungen, Interviews und Postern über die Beatles. Über keinen anderen Künstler, keine andere Gruppe berichtete BRAVO so viel wie über die Legende aus Liverpool. Nur den Beatles gelang es, ingesamt 44 verschiedene Songs in der BRAVO-Musicbox zu platzieren. Sie und ihre Musik waren für BRAVO für über drei Jahrzehnte eine Garantie für interessierte Leser. Normalerweise berichtet BRAVO über einen Star maximal 3 – 4 Jahre. In der Regel begleitetdie Zeitschrift seinen Aufstieg, seine Erfolge und seinen langsamen Abstieg. Irgendwann versiegt die Berichterstattung ganz, wenn der Künstler für die Leser und somit für die Zeitschrift uninteressant geworden ist. Bei den Beatles war das anders, sie stellen eine Ausnahme dar. BRAVO ließ die Gruppe nie fallen, da das Interesse an der Band und ihren einzelnen Mitgliedern unvermindert groß blieb. Instinktiv spürte die Zeitschrift, dass die Gruppe ein außergewöhnliches Kulturphänomen des 20 Jahrhunderts darstellte. Immer wieder gab es somit etwas Neues über die vier aus Liverpool zu berichten. Und wer weiß, vielleicht gibt es irgendwann ein Beatles-Revival, in dem BRAVO ihren Lesern über die wilden Zeiten berichtet, „als BRAVO die Beatles nach Deutschland holte“.

 

Literatur

Bücher:

The Beatles Anthology. Ullstein, München 2000. (

Bratfisch, Rainer: The Fab Four, Das Große Beatles-Lexikon. Schwarzkopf & Schwarzkopf, Berlin 2002.

Butkus, Günter: Die Beatles und ich. Pendragon, Bielefeld 1995.

Krüger, Ulf: Beatles Guide Hamburg. Europa Verlag, Hamburg/Wien 2001.

Leibfried, Fabian: Der große Musikzeitschriften-Katalog. NikMa Musikbuch-Verlag, Eberdingen 2005.

Lewisohn, Mark: The Complete Beatles Chronicle. Harmony Books, New York 1992.

Matheja, Bernd: „Internationale Pilzvergiftung“. Die Beatles im Spiegel der deutschen Presse 1963 – 1967. Bear Family Records, Hambegen 2003

Moers, Rainer/Neumann, Wolfgang/Rombeck, Hans: Die Beatles. Ihre Karriere – Ihre Musik – Ihre Erfolge. Bastei-Lübbe, Bergisch-Gladbach 1989.

Moers, Rainer/Meier, Claus Dieter/Bühring, Matthias/Budéus, Matthias: Die Beatles. Geschichte und Chronologie. Argument/Ariadne, Hamburg 2000

Müller, Christian: Die BRAVO-Charts Bände 1 – 3. Eigenverlag, Niederkassel 2000ff

Müller, Christian: Das BRAVO Chart-Lexikon. Eigenverlag, Niederkassel 2003

Niedergesäß, Siegfried: Die Beatles. Cecilie Dressler Verlag, Hamburg 1976

Rehwagen, Thomas/Schmidt, Thorsten: „Mach Schau!“ Die Beatles in Hamburg. EinfallsReich Verlagsgesellschaft, Braunschweig 1992

Schuster, Peter: Four Ever. 25 Jahre Beatles. Belser Verlag, Stuttgart/Zürich 1986

Wagner, Peter: Pop 2000. 50 Jahre Popmusik und Jugendkultur in Deutschland. ideal Verlag, Hamburg 1999

Beatles-Fanzines:

A Ticket To Write. Beatles Club Wuppertal, Paulussenstr. 7, 42349 Wuppertal

Beatlemania. Postfach 101115, 99011 Erfurt/Thüringen

Things. Beatles Museum, Alter Markt 12, 06108 Halle

Internet:

www.BeatlesMuseum.net

www.Beatles-club.de

www.beatlemania.de

www.bravo-musicbox.de

 

Werner Fleischer, Jahrgang 1961, lebt in Sinzig, arbeitet als Erzieher in einer Heilpädagogischen Intensivgruppe. Sein Hauptinteresse in der Freizeit gilt der Musik und Geschichte der Beatles. Die Beatles lernte er 1975 durch die Fernsehausstrahlung der beiden Filme „Yeah, Yeah, Yeah“ und „Hi, Hi, Hilfe“ kennen. Als erster Kandidat gewann er 1998 bei der Sendung „Risiko“ im ZDF mit seinem Spezialthema „Beatles“ alle sieben Spielrunden. Er ist Organisator der „Magical Mystery Tour“, einer Reise auf den Spuren der Beatles in London und Liverpool, die er regelmäßig durchführt.

 



[1] Der Aufenthalt und die Gastspiele der Beatles in Hamburg sind gut dokumentiert in Rehwagen/Schmidt 1992.

[2] BRAVO 22, 31und 45/1964

[3] BRAVO 23/1964

[4] BRAVO 24/1964

[5] Seit 1957 ließ BRAVO von seinen Lesern die beliebtesten Künstler wählen. Waren die Wahlen ursprünglich auf männliche und weibliche Filmstars beschränkt, so fanden die Wahlen 1964 in den Kategorien Filmstars, Sänger und TV statt. Hierbei wurde jeweils nach Frauen und Männern getrennt gewählt. Eine Wahl zur Gruppe des Jahres fand erst 1965 statt.

[6] BRAVO 3, 17, 27, 42, 49 und 52. BRAVO 42 hat ein umlaufendes Titelbild.

[7] BRAVO 32

[8] BRAVO 47

[9] BRAVO nutzte die Autogrammkarten, die von der ELECTROLA, der deutschen Tochterfirma der EMI, herausgegeben wurden, ganz geschickt als Werbefläche. So stand unter einem Foto der Beatles: „Alles über Stars und Schlager jede Woche in BRAVO.“

[10] Die Tourneen der Beatles sind dokumentiert in Lewisohn 1992. Eine gute Übersicht findet sich weiterhin bei Moers/Neumann/Rombeck 1983.

[11] In der Sendung vom 13.2.1966 trat Hans Joachim Kulenkampff gemeinsam mit Bully Buhlen, Gerhard Wendland und Willy Berking in einer Beatles-Parodie auf.